Indien ist ein Markt, den man gewissermaßen von hinten lesen muss. Das Land ist selbst einer der weltgrößten Exporteure von Gewürzen und Reis, sodass das meiste, was die Türkei anderswo verkauft, hier keinen Sinn ergibt. Was Indien aus der Türkei bezieht, ist eine kurze Liste — und in zwei dieser Kategorien ist die Türkei nicht nur ein Lieferant, sondern faktisch der Markt. Dieser Leitfaden konzentriert sich auf diese kurze Liste, auf die Lizenz- und Zollstruktur, die sie prägt, und auf die rohstoffbezogene B2B-Perspektive, die ihr am besten entspricht.
Die beiden Kategorien, die die Türkei dominiert
An erster Stelle steht Mohnsamen. Die Türkei liefert rund 77% der indischen Mohnsamenimporte im Wert von etwa 8,5 Millionen US-Dollar im Jahr 2024, und Indien nimmt im Gegenzug rund 76% des türkischen Mohnsamen-Exportwerts auf — eine strukturelle wechselseitige Abhängigkeit, die die bengalische und die südindische Küche bedient, in denen die Zutat ein Grundbestandteil ist. An zweiter Stelle folgen Haselnüsse: Auf die Türkei entfallen etwa 53% der indischen Haselnussimporte, mit rund 1.850 erfassten Sendungen zwischen Juli 2024 und Juni 2025, die Schokoladenhersteller, Hotellerie und Gastronomie sowie die Premium-Geschenkmarken beliefern, die Haselnüsse zu einer aufsteigenden Linie im Trockenfruchthandel gemacht haben. In beiden Kategorien ist der türkische Ursprung schwer zu ersetzen, weshalb diese Warenströme stetig weiterlaufen.
Getrocknete Aprikosen und der Geschenkkalender
Getrocknete Aprikosen bilden die dritte etablierte Linie. Die Türkei ist der weltweit führende Exporteur getrockneter Aprikosen, und der indische Trockenfruchtkonsum wächst getragen von Gesundheitspositionierung und Festtagsgeschenken, wobei die Saison auf Diwali zuläuft. Die Käufer sind die Trockenfrucht-Großhändler in Delhis Khari Baoli und in Mumbai sowie die Geschenk- und E-Commerce-Marken, die ihre Beschaffung im Spätsommer für das herbstliche Festtagsfenster planen. Die Trockenfeige ist eine bescheidenere Geschichte: Indische Käufer bewerten afghanische Feigen wegen ihrer weicheren Textur in der Regel höher, während türkische Feigen größer und trockener sind, sodass die türkische Feige eher im Value- als im Premium-Segment liegt. Rote Linsen sind zyklisch — Indien importiert jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen, bezieht sie aber überwiegend aus Australien, Kanada und Russland, und 2025 wurde ein Zoll von 11% wieder eingeführt, sodass türkische Ware vor allem in Mangeljahren zum Zug kommt.