Italienische Lebensmittel genießen in der Türkei einen Vorteil, den wenige Herkünfte haben: Sie brauchen keine Einführung. Die italienische Küche ist türkischen Verbrauchern bestens vertraut, die Restaurantkultur der großen Städte baut teilweise auf ihr auf, und ein italienisches Etikett trägt Autorität in Kategorien, in denen der Verbraucher aus Vertrauen wählt. Die Komplikation ist das Spiegelbild dieses Vorteils: In mehreren Vorzeigekategorien Italiens ist die Türkei selbst ein ernstzunehmender Produzent. Dieser Leitfaden trennt die beiden Situationen, denn sie verlangen unterschiedliche Kanalstrategien.
Wo die italienische Herkunft klar gewinnt
Am stärksten sind die Positionen in Kategorien, die die Türkei nicht in großem Maßstab produziert, oder in denen die italienische Autorität unabhängig vom heimischen Angebot ausschlaggebend ist: Pasta und Spezialformate bei Trockenteigwaren, Hart- und Spezialitätenkäse, Kaffee, Balsam- und Weinessige, Süß- und Feinbackwaren, Fertigsaucen und Pesto sowie Zutaten für industrielle und HoReCa-Abnehmer. Italien zählt bereits zu den drei größten Herkunftsländern der türkischen Snack-Importe — dieser Kanal ist also nicht theoretisch: Importeure, Feinkostdistributoren und HoReCa-Lieferanten arbeiten aktiv mit italienischen Sortimenten, und eine neue Marke konkurriert um Aufmerksamkeit, statt eine Kategorie aus dem Nichts aufzubauen.
Wo die inländische Produktion das Spiel verändert
Olivenöl und Tafeloliven sind das deutlichste Beispiel. Die Türkei gehört bei beiden zu den größten Produzenten der Welt, mit einem preislich im Vorteil befindlichen heimischen Angebot und Verbrauchern, die ausgeprägte eigene regionale Vorlieben haben. Ein italienisches Olivenöl kann in der Türkei durchaus funktionieren, aber nur in einer klar premium ausgerichteten, erzählerisch geführten Positionierung über Feinkosthandel und HoReCa — nicht in einem Regalkampf im Massenmarkt, den es beim Preis verliert. Bei Tomatenprodukten wirkt dieselbe Dynamik. Der kommerzielle Fehler besteht nicht darin, diese Kategorien anzugehen, sondern darin, sie mit einem Massenmarktplan anzugehen und die Preislücke erst zu entdecken, wenn der erste Container gelandet ist.