Für einen deutschen Lebensmittelhersteller gehört die Türkei zu den interessanteren erreichbaren Märkten: eine Verbraucherbasis von rund 85 Millionen Menschen, eine junge Bevölkerung, ein moderner Einzelhandel, der weiter wächst, und ein durchaus gangbarer Einfuhrweg — vorausgesetzt, die regulatorische Vorarbeit ist geleistet, bevor die erste Palette rollt, und nicht erst danach. Dieser Leitfaden beschreibt, wie dieser Weg funktioniert und wo ein lokaler Vertriebspartner ins Bild gehört.
Wo deutsche Produkte Nachfrage finden
Deutschland zählt zu den führenden Lieferanten der türkischen Agrar- und Lebensmitteleinfuhren und rangiert neben den Niederlanden und Italien unter den drei größten Herkunftsländern der türkischen Snack-Importe. Diese Position ist kein Zufall: Die Nachfrage konzentriert sich dort, wo die Türkei entweder nicht in großem Maßstab produziert oder wo die deutsche Herkunft für den türkischen Einkäufer ein echtes Qualitätssignal trägt. In der Praxis sind das Molkereiprodukte und Spezialitätenkäse, Back- und Süßwarenzutaten, Säuglings- und Spezialnahrung, Bio-Sortimente, funktionale Getränke und Sportgetränke sowie Lebensmittelzutaten für industrielle Abnehmer. Die Vertrautheit türkischer Verbraucher mit deutschen Marken — über Jahrzehnte gewachsen durch familiäre und touristische Verbindungen zwischen beiden Ländern — ist in diesen Kategorien ein realer Vorteil und verkürzt die Aufklärungsarbeit, die eine neue Marke sonst leisten müsste.
Was das Einfuhrverfahren verlangt
Lebensmitteleinfuhren in die Türkei fallen in die Zuständigkeit des Ministeriums für Landwirtschaft und Forsten, und die Kontrollen laufen risikobasiert über TAREKS, das elektronische System für Kontrollverfahren im Außenhandel. Je nach Warengruppe kann vor der Einfuhr ein vom Ministerium genehmigtes Kontrolldokument erforderlich sein. Verpackungen mit Lebensmittelkontakt unterliegen einer eigenen Anforderung an die Konformitätsbescheinigung. Welche dieser Punkte für ein konkretes Produkt gelten, entscheidet dessen Einreihung und nicht die Präferenz — der erste praktische Schritt in jedem Markteintrittsgespräch ist daher die Ermittlung der Anforderungen für die exakte Warengruppe und nicht für die Kategorie im Allgemeinen.