Ein Wiederverkäufer, der noch nie eine Teelinie bepreist hat, macht meist denselben Fehler: Er übernimmt das Angebot des Lieferanten, addiert eine Zahl, die vernünftig erscheint, und betrachtet die Sache als erledigt. Das Problem ist, dass „vernünftig erscheinend" je nach Vertriebskanal stark variiert und eine Marge, die im Großhandelskonto funktioniert, ein E-Commerce-Listing verhungern lässt, sobald Gebühren und Versand eingerechnet sind. Eine Private-Label- oder weiterverkaufte Teelinie zu bepreisen bedeutet weniger, eine einzelne Zahl zu wählen, als vielmehr eine Struktur aufzubauen, die in jedem Kanal trägt, durch den das Produkt tatsächlich läuft.
Großhandelspreis und UVP sind zwei unterschiedliche Entscheidungen
Der Großhandelspreis ist der Preis, zu dem das Produkt vom Lieferanten zum Wiederverkäufer, Distributor oder Einzelhandelskonto wechselt. Die UVP ist der dem Endkunden empfohlene Preis. Beides zu verwechseln ist bei Erstkäufern verbreitet, die mitunter zuerst eine UVP festlegen und rückwärts rechnen, ohne zu prüfen, ob der resultierende Großhandelspreis weiter unten in der Kette noch Raum für einen Distributor oder Einzelhandelspartner lässt. In einem mehrstufigen Vertriebskanal muss jede Ebene ihre eigene Marge aus demselben Einzelhandelspreis herausschneiden — genau deshalb muss die Spanne zwischen Großhandelspreis und UVP vor der ersten Bestellung geplant werden, nicht erst danach angepasst.
Keystone-Pricing als Ausgangspunkt, nicht als Regel
Keystone-Pricing, also die Verdopplung der Großhandelskosten zur Festlegung des Einzelhandelspreises, ist der Standardreflex im Feinkost- und Geschenkartikelhandel und bleibt für eine Teelinie ohne Verkaufshistorie ein vernünftiger Ausgangspunkt. In der Praxis liegen die Bruttomargen im Feinkosthandel eher in einer Bandbreite als bei einer exakten Verdopplung, häufig irgendwo zwischen 40 und 55 Prozent, abhängig von Kategorie, Verpackungskosten und davon, wie stark die Regalgeschichte zum Verkauf beiträgt. Eine hochwertige botanische Mischung mit starker Verpackung kann oft eine vollere Keystone-Marge tragen; ein commodity-naher Schwarztee in schlichter Aufmachung braucht dagegen häufig eine engere Marge, um im Regal neben etablierten Marken konkurrenzfähig zu bleiben.
Der Vertriebskanal verändert nicht nur den Preis, sondern die Marge
Derselbe Tee trägt, je nach Vertriebskanal verkauft, selten dieselbe Marge. Ein Großhandelskonto, das kartonweise zu einem niedrigeren Stückpreis kauft, erwartet eine dünnere Marge des Wiederverkäufers, dafür aber ein höheres Volumen. Ein direktes E-Commerce-Listing trägt Zahlungsabwicklungsgebühren, Kommissionier- und Verpackungsarbeit, Versandverpackung und oft kostenlose oder subventionierte Zustellung — all das muss im Einzelhandelspreis eingerechnet werden, statt weggelassen zu werden. Ein Gastronomie- oder Firmengeschenke-Käufer akzeptiert womöglich einen höheren Stückpreis im Austausch für Individualisierung, erwartet aber, dass dieser Aufpreis ehrlich und nicht künstlich aufgebläht ist. Eine einzige gemischte Marge über alle drei Kanäle hinweg zu kalkulieren, unterbietet fast immer den anspruchsvollsten Kanal.