Die meisten Eigenmarken-Teeprojekte beginnen mit einer Geschmacksidee — einer bestimmten Fruchtkombination, einer Lieblings-Kräutermischung, einer Zutat, die der Gründer persönlich liebt. Dieser Instinkt ist ein guter Ausgangspunkt, aber er überspringt einen Schritt, der darüber entscheidet, ob sich das fertige Produkt tatsächlich verkauft: zu entscheiden, für wen die Mischung ist, bevor entschieden wird, was hineinkommt. Ein Geschmack, der für die Person, die ihn entwirft, spannend wirkt, kann für die Käuferin vor dem Regal verwirrend oder vergesslich wirken. Das ist die Überlegung, die vor jedem Labortest oder jeder Zutaten-Kurzliste stehen sollte, nicht danach.
Die Frage vor dem Rezept: Wer kauft das eigentlich?
Nicht jeder Teekäufer kauft aus demselben Grund, und ein Geschmacksprofil, das das ignoriert, spricht am Ende zufällig eine enge Zielgruppe an, nicht durch bewusste Gestaltung. Ein Markt- oder E-Commerce-Einkäufer, der eine Eigenmarken-Linie führt, fragt sich eigentlich, welchen von mehreren unterschiedlichen Kunden er bedient: jemanden, der eine verlässliche tägliche Tasse möchte, jemanden, der nach etwas Neuem stöbert, oder jemanden, der eher für einen bestimmten Moment im Tagesablauf einkauft als für einen Geschmack an sich. Diesen Käufer in einem einzigen Satz zu benennen — bevor auch nur eine Zutat benannt wird — ist das, was aus einer vagen Geschmacksidee eine Richtung macht, die sich tatsächlich gestalten lässt.
Die Käuferin für den Alltagsgenuss
Diese Käuferin will Wiedererkennung, keine Entdeckung. Sie weiß bereits, dass sie Kamille, Minze oder einen klassischen Schwarztee mag, und eine neue Eigenmarken-Packung gewinnt ihr Vertrauen, indem sie diesen vertrauten Geschmack zuverlässig liefert, nicht indem sie ihn neu erfindet. Alltagsmischungen setzen meist auf eine kurze, gut bekannte Zutatenliste — eine einzelne dominante Pflanze mit höchstens einer unterstützenden Note — weil das Ziel ein Geschmack ist, den die Käuferin schon beim ersten Schluck erkennt. Das ist in der Regel der sicherste Ankerpunkt für ein erstes SKU, da es sich über den Wiederkauf verkauft, statt den Käufer jedes Mal neu überzeugen zu müssen.
Der abenteuerlustige Geschmackskäufer
Ein kleineres, aber reales Segment sucht gezielt nach etwas, das es noch nicht probiert hat, und ein darauf ausgerichtetes Geschmacksprofil kann sich eine mutigere Kombination leisten — eine unerwartete Fruchtkombination, ein Kraut, das nicht im Sortiment jedes Wettbewerbers vorkommt, oder eine ausgeprägtere säuerliche oder würzige Note. Die Disziplin liegt hier in der Zurückhaltung: ein oder zwei neuartige Elemente auf einer Basis, die der Käufer noch einordnen kann, sind meist erfolgreicher als eine Mischung ganz ohne vertrauten Anker, da ein völlig unbekannter Geschmack ohne Verkostung vor Ort schwerer zu verkaufen ist. Verpackung und Texte tragen bei dieser Richtung auch einen größeren Teil der Verkaufsarbeit, da der Käufer aus Neugier wählt, nicht aus Gewohnheit.