Rose ist der Rohstoff, den Einkäufer auf dem Papier am häufigsten falsch angeben. Eine Bestellung, auf der schlicht "Rosenöl" steht, sagt einem Lieferanten fast nichts, denn die beiden dominierenden Rose-Materialien in der Kosmetik — Rose Otto und Rose Absolue — werden durch völlig unterschiedliche Verfahren hergestellt und verhalten sich in einer Formulierung unterschiedlich. Die Wahl zwischen ihnen ist eine der folgenreichsten Entscheidungen eines Parfüm- oder Hautpflege-Formulierers, und sie beginnt damit, wie der Aromastoff aus dem Blütenblatt herausgelöst wurde.
Zwei Extraktionswege, zwei Materialien
Beide Materialien stammen meist von Rosa damascena (und, seltener, von Rosa centifolia), doch der Extraktionsweg definiert sie. Rose Otto wird wasserdampfdestilliert: Die Blütenblätter werden in eine Destillierblase gegeben, der Wasserdampf trägt die flüchtige Fraktion über, und das Kondensat trennt sich in ein echtes ätherisches Öl auf. Rose Absolue nimmt einen anderen Weg — ein unpolares Lösungsmittel wie Hexan liefert zunächst ein wachsartiges Concrète, das dann mit Ethanol gewaschen und gekühlt wird, um die Wachse auszufällen, wobei nach Entfernung des Alkohols ein Absolue zurückbleibt. Das eine ist ein Destillat, das andere ein Lösungsmittelextrakt. Diese eine Verzweigung erklärt fast alles Weitere.
Die Chemie, die jedes Verfahren einfängt
Die Wasserdampfdestillation ist selektiv. Sie trägt die leichteren, flüchtigeren Alkohole über, sodass Rose Otto von Citronellol und Geraniol dominiert wird, mit Nerol, Linalool und einem Anteil geruchlosen, wachsartigen Stearoptens, das das Öl bei kühlen Temperaturen trüben oder verfestigen kann. Die Lösungsmittelextraktion ist weit weniger wählerisch und zieht schwerere, wasserlösliche Moleküle heraus, die der Wasserdampf in der Blase zurücklässt. Die Signatur dieses Unterschieds ist Phenylethyl alcohol — das rosig-süße Molekül, das stark wasserlöslich ist und im Otto größtenteils an das Destillationswasser verloren geht, im Absolue aber ausgeprägt vorhanden ist. Deshalb riechen die beiden eher wie Verwandte als wie Zwillinge.
Den Duft lesen
Rose Otto wirkt heller und transparenter, mit einem frischen, leicht grün-zitrischen Auftakt aus seinen Terpenalkoholen und einem sauberen Abklingen. Rose Absolue ist tiefer, reicher und honigartiger, näher daran, das Gesicht in die lebende Blüte zu vergraben, gerade weil es das Phenylethyl alcohol und die schwereren Bestandteile bewahrt. Für eine leuchtende, klassische Rosen-Kopfnote ist Otto oft die bessere Wahl; für ein volles, samtiges florales Herz oder einen Soliflore, der der Blüte treu wirken muss, gewinnt in der Regel das Absolue. Keines ist abstrakt überlegen — sie beantworten unterschiedliche olfaktorische Briefings.